Aus dem Bräustübl · 9. Oktober 2026
Das Windröhren-Phänomen: naturgekühltes Bier seit Jahrhunderten
Von Bräustübl Kaltenhausen

Seit jeher sind die Keller von Kaltenhausen ihrer Kälte wegen berühmt. In einer Chronik aus dem 17. Jahrhundert heißt es von einem dieser Keller, dass „der Keller so kalt ist, daß ein frischer Trunk sofort in die Zähne fährt“. Was damals wie ein kleines Wunder wirkte, hat eine natürliche Erklärung, und es ist bis heute der Grund, warum das Bier im Bräustübl so frisch ins Glas kommt.
Kalte Fallwinde aus dem Fels
Die Ursache ist eine natürliche Luftkühlung: Kalte Fallwinde strömen oben am Fels der Barmsteine durch Spalten und Risse in den Berg und treten unten am Fuß auf Kellerhöhe wieder aus. Durch diese ständige Strömung liegt die Temperatur in den Kellern ganzjährig unter 10 °C, im Hochsommer genauso wie im Winter.

Die Bewohner nannten diese Luftkanäle „Windröhren“. Historische Zeichnungen zeigen, wie die kalte Bergluft durch das Gestein in die Keller geleitet wurde, eine Klimaanlage, lange bevor es Strom gab.
Warum Brauer kalte Keller brauchten
Bier ist ein empfindliches Lebensmittel. Untergärige Biere wie Märzen oder Pils gären und reifen bei niedrigen Temperaturen, und auch das fertige Bier bleibt nur kühl gelagert frisch. Bevor im 19. Jahrhundert die ersten Kältemaschinen in Brauereien Einzug hielten, war ein kalter Keller deshalb das wertvollste Kapital einer Brauerei. Viele Brauereien schnitten im Winter Eis aus Teichen und Seen, um ihre Keller über den Sommer zu kühlen. In Kaltenhausen war das nicht nötig: Die Natur lieferte die Kälte das ganze Jahr über frei Haus.
Hans Elsenheimer und das „Kalte Bräuhaus“
Genau diese Windröhren waren der Grund, warum der Salzburger Bürgermeister und Kaufmann Hans Elsenheimer das „Kalte Bräuhaus“ im Jahr 1475 an diesem Ort errichten ließ. Dazu kam das klare Felsquellwasser am Fuß der Barmsteine, die zweite wichtige Zutat für gutes Bier. Kaltenhausen gilt seither als älteste Brauerei im Land Salzburg und als älteste Weißbierbrauerei Österreichs. 1498 ging der Besitz an die Salzburger Erzbischöfe über, die den Wert dieses besonderen Standorts ebenfalls zu schätzen wussten.

Die Barmsteine: Hallein und seine „Ohrwaschln“
Die beiden Felsen über Kaltenhausen, der Große und der Kleine Barmstein, sind ein Wahrzeichen von Hallein. Von den Einheimischen werden sie liebevoll „Halleiner Ohrwaschln“ genannt, und eine unserer Stuben, das Barmstoastüberl, ist ihnen gewidmet. Dass die markanten Felsen nicht nur schön anzusehen sind, sondern über Jahrhunderte das Bier gekühlt haben, wissen nur wenige.
Bis heute im Einsatz
Noch heute werden alle im Bräustübl gezapften Biere in einem der letzten natürlichen Felsenkeller gelagert und kommen naturgekühlt ins Glas, ganz ohne Strom, seit über 550 Jahren. Die Temperatur unter 10 °C trifft genau den Bereich, in dem helle Biere ihr Aroma am besten entfalten: kühl und erfrischend, aber nicht eiskalt.
Erleben Sie es selbst
Am besten probieren Sie den Unterschied direkt bei uns: ein frisch gezapftes Kaiser Bier aus dem Felsenkeller, dazu ein Gulasch oder eine Brettljause in einer unserer historischen Stuben. Welche Biere wir ausschenken, lesen Sie im Beitrag Kaiser Bier vom Fass, mehr über die über 550-jährige Geschichte des Hauses auf unserer Seite Geschichte. Ihren Tisch können Sie direkt online reservieren.
Häufige Fragen
Wie kalt ist es in den Kellern von Kaltenhausen?
Durch die natürliche Luftkühlung liegt die Temperatur ganzjährig unter 10 °C.
Woher kommt die kalte Luft?
Kalte Fallwinde dringen oben an den Barmsteinen durch Spalten und Risse in den Fels ein und treten unten auf Kellerhöhe wieder aus.
Wird das Bier im Bräustübl heute noch so gekühlt?
Ja. Alle im Bräustübl gezapften Biere lagern in einem der letzten natürlichen Felsenkeller und kommen naturgekühlt ins Glas.
